Farbiger Herbst im Hainich Nationalpark

Es ist nicht unser Jahr, das Jahr 2017. Im Frühling macht sich erst Tom beim Skifahren die Bänder an der Hand kaputt, im Sommer dann mein Ellbogenbruch und einen Tag vor den Ferien hat Juna eine Entzündung am Zehenballen, eventuell wegen einer Dorne eines Brombeerenstrauchs. Eine wirklich blöde Geschichte. Sie muss ein Antibiotikum und ein Entzündungshemmer schlucken.

Thüringen kann warten!
Wir sind unterwegs Richtung Hainich Nationalpark. Da es aber auf der Autobahn ziemlich Verkehr hat, beschliessen wir kurzerhand, unsere Pläne zu ändern. Wir fahren stattdessen spontan in den Odenwald. Bis wir aber dort ankommen, fahren wir zuerst durch Heidelberg und landen – welch Schande – auch wieder im Stau. Dann aber fahren wir zügig entlang der Neckar entlang und beschliessen, in Juhöhe zu bleiben. Der Wanderparkplatz (Juhöhe, Frauenhecke) ist so voll, dass wir nur knapp einen Platz finden. Die Waldschenke ist wohl der Grund dafür, denn auf unserem Spaziergang begegnen wir kaum einer Menschenseele.  Der Standort des Hügelgrabs auf der Lee haben wir zwar gefunden, allerdings ist davon lediglich der Hauptstein zu sehen. Für den Rest des Grabes benötigt man seine Fantasie und die übersichtliche Tafel. Müde und ziemlich früh gehen wir drei schlafen.

Fahrt auf dem Vulkan
Unser Reiseführer schlägt als Tipp die Bonsweiher-Wanderung vor. Die leichte Wanderung von 10 km ohne erwähnenswerte An- und Abstiege führt uns durch herrliche, farbige Wälder. Am Ausgangspunkt angekommen staunen wir, wie gut besetzt der Parkplatz bereits wieder ist. Wir lassen die Sonntagsmenschen auf der Juhöhe zurück und fahren Richtung Naturpark Vogelsberg. Der grüne Fleck auf der Karte interessiert uns und wir stellen fest, dass es sich um einen alten Vulkan handelt. Unser Auto stellen wir beim Wanderparkplatz Hoherodskopf, Steinbruch, ab und wandern zum Fernsehturm hinauf. Dort sind wir erstaunt, wie viele Menschen sich dort versammelt haben. Hier kann man alles machen. Es gibt einen Kletterpark, eine Sommerrodelbahn und ganz viele Beizen. Es duftet nach fettigen Pommes, Würsten und Bier. Wir machen uns schnell wieder vom Acker und geniessen den Abend mit einem anschliessenden Spaziergang und vielen, vielen Sternen.

Auf dem Höhenweg im Oberwald
Nach einer herrlich ruhigen Nacht sind wir relativ früh auf den Beinen. Wir wollen den 8 km langen Höhenweg ohne Menschenmassen geniessen. Erstaunlicherweise begegnen wir nur selten Wanderer und wenn, dann sind es pensionierte Leute, die die Herbstsonne genauso geniessen wie wir. Die Wanderung ist absolut empfehlenswert und abwechslungsreich. Bismark-Turm-Besteigung, farbige Laubwälder, Wildschweinspuren und Forellenteich. Letzterer wurde im Mittelalter als Flossteich genutzt und später für die Fischzucht genutzt. In der Zwischenzeit stehen diese Teiche wegen ihrer Flora und Fauna unter Naturschutz. Eine herrliche Wanderung, die wir mit gemütlicher Siesta beschliessen.

Hessen hat vieles zu bieten
Tatsächlich kommen wir nicht von Hessen weg, wir haben in unserem Reiseführer das Biosphären Reservat Rhön entdeckt und wollen dort wandern. Um dorthin zu gelangen, fahren wir durch endlose Talebenen mit riesigen Feldern und Wäldern. Nach Fulda fahren wir auf den Wanderparkplatz Steinwand, Maulkuppe. Von dort geniessen wir eine grandiose Aussicht und einen traumhaften Sonnenuntergang. Vorher aber wollen wir noch die Steinwand besichtigen. Bei dieser handelt e sich um eine 100 m lange senkrecht abfallende Wand aus bis zu 28 m hohem Phonolitgestein. Die Wand ragt zackig aus dem Waldboden, von der Strasse aus kaum ersichtlich, und erinnert an einen verwunschenen Zauberwald. Am Abend erleben wir einen traumhaften Sonnenuntergang. Die Nacht ist ruhig. Einzig das Rauschen der Blätter ist zu hören. Unser Nachtlager ist geschützt durch ein traumhaftes Blätterdach aus purem Gold.

Nun geht’s Richtung Thüringen
Vom Parkplatz Maulkuppe unternehmen wir tags darauf einen herrlichen Spaziergang entlang der Kunstmeile, über Grabenhöfchen an den Biberweiher. Leider verpassen wir einen Weg und landen schliesslich wieder an der Kunstmeile. Nach drei Stunden ist unser Hund ziemlich müde. Deshalb gönnen wir ihm und auch uns eine ausgiebige Siesta. Nachdem wir an einer Dumpingstation und im Einkaufsladen waren, fahren wir auf die Wasserkuppe rauf. Der Tumult dort oben ist uns jedoch etwas zu krass. Wir landen schliesslich in Mittelsdorf auf einem praktischen Platz inmitten riesiger Felder und lassen den Abend gemütlich ausklingen.
Wer in den Hainich-Urwald kommt, wird verwandelt – so oder so!
Wir lassen uns nach einer 2-stündigen Fahrt auf dem Campingplatz «Tor zum
Hainich» nieder. Von dort wollen wir in den nächsten paar Tagen den Hainich Nationalpark erkunden. Der Park wurde im 2011 als UNESCO-Weltnaturerbe «Buchenurwälder der Karpaten und Alte Buchenwälder Deutschlands» ernannt. Mit seiner Waldfläche von 13'000 Hektar ist der Hainich das grösste zusammenhängende Laubwaldgebiet Deutschlands. Vor allem die silbrigstämmige Rotbuche prägt das Bild der urwaldartigen Waldbestände. Neben Wildschweinen gehören anspruchsvolle Waldbewohner wie Wildkatze, Bechstein-Fledermäuse und sieben Spechtarten. Vom Parkzentrum Thiemsburg unternehmen wir unsere erste Tour. Natürlich wimmelt es beim Ballungszentrum wegen dem Baumkronenpfad von Menschen. Nachdem wir den kurzen Naturpfad Thiemsburg antreten, sind wir alleine im Wald.

Verhext auf dem Feensteig
Am Abend wandern, eh, wohl eher wandeln wir auf dem Feensteig, der unmittelbar beim Campingplatz startet. Der Pfad ist für Familien mit Kindern einfach grossartig, aber auch wir kommen leichter ins Grübeln, als wir rückwärts über eine Brücke laufen und dann den Weg aus dem dichten Menschenfresserwald nur mit Mühe wiederfinden.

Auf Wildschweinpfaden durchs Brunstal
Unsere heutige Wanderung beginnt in Weberstedt. Beim Schloss Goldacker finden wir erst mal den Weg nicht wirklich, kommen dann aber auf Umwegen über den Veloweg, bzw. Hainichlandweg über die Fuchsfarm wieder in den Park rein. Über den Wildkatzenkinderwald (auch super für Familien) geht es dann auf dem Radweg weiter. Dieser verläuft durch offenes Gelände. Es ist etwas warm, deshalb gönnen wir uns allen eine längere Rast an einem wunderschönen Platz. Wir sind bisher nur ganz wenigen Menschen begegnet und so soll es auch bleiben. Weiter wandern wir weiter auf dem Saugraben-Wanderweg durchs Brunstal. Über den Hainichlandweg geht es dann über den Gänsekropf, bis wir schliesslich nach ungefähr 6 ½ Stunden und 22 km ziemlich müde auf dem Campingplatz ankommen.

Sofatag – Beine, bzw. Pfoten hoch und relaxen!
Naja, ganz ohne Wandern kommen wir nicht aus. Heute machen wir jedoch bloss eine kurze Wanderung. Wir laufen noch einmal über den Märchensteig und dann über den Hanfberg, Düsteröder Teich und wieder zurück. Tom stellt später fest, dass am Abwassertank ein Schlauch spröde ist. Er wechselt alles aus. Währenddessen unternehmen Juna und ich einen schönen Abendspaziergang.

Mittelweg oder doch Mallinde?
Wir haben uns mit dem Wanderparkplatz etwas vertan. Obwohl der Parkplatz gross und deutlich mit Mittelweg angeschrieben ist (sehen wir erst nach unserer Rückkehr), sind wir völlig der Überzeugung, auf dem Wanderparkplatz Mallinde gelandet zu sein. Völlig entspannt laufen wir auf dem Weg Richtung Mitte Nationalpark, als Tom plötzlich feststellt, dass wir Richtung Aussichtsturm Hainichblick unterwegs sind. Ist nicht weiter schlimm. Trotz strömenden Regen geniessen wir den Blick vom Turm über die weite Waldfläche und lernen viel über Insekten und ihr Dasein. Wieder zurück bei Nikan fahren wir auf den Mallinde Parkplatz, machen Siesta, während es regnet wie aus Kübeln. Leider reicht die Zeit fast nicht aus, um den ganzen Erlebnispfad Silberborn vor Dunkelheit gemütlich zu erleben. In der Nacht stürmt es dann ziemlich, der Regen lässt jedoch allmählich nach.

Drachenschlucht im Thüringer Wald
Um zum Wanderparkplatz Hohe Sonne zu gelangen, fahren wir nicht lange. Wir sind dieses Mal vorsichtiger und packen alle Regenkleider ein. Die Drachenschlucht ist herrlich. Wir geniessen den Abstieg sehr, trotz all den unfreundlichen und vorpreschenden Deutschen. Diese lassen wir aber bald hinter uns. Bald, nachdem sich die Schlucht weitet, nehmen wir links den Wanderweg Richtung Elfengrotte. Nachdem wir die Sängerwiese überquert haben, nehmen wir einen eigenen Weg, bis wir auf den Lutherweg gelangen, welcher schliesslich auf dem Rennsteig einmündet. Eine gute Stunde laufen wir dann auf diesem bekannten Fernwanderweg, bis wir völlig durchnässt beim Grossen Parkplatz ankommen. Tom holt uns von der Würstchenbude Pommes und wir essen gemütlich unser fettiges Zvieri. Die Nacht verbringen wir dann in Ascherbrück, direkt am Rennsteig, wo ein armer, besorgter Mann bis in die Dämmerung auf seine wandernde Frau wartet.
Tischer, wir kommen!
Kurzentschlossen beschliessen wir, der Tischer Fabrik in Kreuzwertheim einen Besuch abzustatten. Natürlich erst, nachdem Tom einen ausgiebigen Spaziergang mit Juna unternommen hat und ich unsere Wohnkabine etwas auf Vordermann gebracht habe. Bei Tischer haben wir schliesslich alle Ersatzteile erhalten und konnten alle Fragen klären. Nun werden wir in der nächsten Zeit wieder Änderungen an unserer Wohnkabine vornehmen. Da unser Besuch ziemlich Zeit in Anspruch genommen hat, fahren wir lediglich ein paar Kilometer auf den Campingpark Wertheim Bettingen direkt am Main.

Von Mühlen, Türmen und Klingen
Die abwechslungsreiche, rund 14 km lange Wanderung führt durch Wälder und Wiesen des Naturparks im Schwäbisch-Fränkischen Wald.
Die offensichtlichen Höhepunkte möchten wir kurz erwähnen:
Hagbergturm: Auf einem der höchsten Berge der Umgebung steht auf 585 m.ü.M. der 23 m hohe Turm. Er wurde im 2. Weltkrieg natürlich als Beobachtungsposten gebraucht, heute gehört er dem Schwäbischen Albverein, welcher übrigens auch für das sehr umfassende Wanderwegnetz zuständig ist. In den Sommermonaten wird jeweils sonntags ein Besenbeizli geführt.

Menzlesmühle: Wie manche andere Mühle in dieser Umgebung hebt sich die Menzlesmühle mit ihrem roten Anstrich aus dem Grün der Natur hervor. Eine interessante Informationstafel gibt Aufschluss über die Vergangenheit.
Hägeles- und Brunnenklinge: Die Hägelesklinge ist eine der imposantesten Klingen im Schwäbisch Fränkischen Wald. Bei nasser Witterung kann der Weg relativ abenteuerlich werden. Die Klinge wurde nach einem Deserteur benannt, der hier Zuflucht gefunden hat. Wahrlich kein bequemer Aufenthaltsort.

Zurück an unserem Startpunkt angekommen beschliessen wir, die Nacht in Murrhardt zu verbringen, dem Ausgangspunkt unserer nächsten Wanderung. Leider verbringen wir die Nacht nicht auf dem vorgesehenen Wanderparkplatz, sondern auf einem Schulhausparkplatz. Dementsprechend sind wir am Morgen relativ früh wach.

In der Hörschbachschlucht
Wir fahren zum Wanderparkplatz 4 der Hörschbachschlucht und wandern dann auf dem Rundwanderweg zuerst ins Dorf Murrhardt. Dort gehe ich ins Touristenbüro und verlange eine detaillierte Wanderkarte. Die nicht gut informierte Mitarbeiterin teilt uns irrtümlicherweise mit, dass die Schlucht wegen Waldarbeiten gesperrt sei und überhaupt, bei diesem Wetter gehe man nicht in die Schlucht. Somit wandern wir fast auf dem gleichen Weg wieder Richtung Parkplatz zurück, treffen beim vorderen Wasserfall auf zwei Wanderer, die uns mitteilen, dass der Weg zum Hinteren Wasserfall offen sei. Der Weg sei jedoch ziemlich schlammig. Wir stellen uns dieser Herausforderung und wandern auf der schweren Route durch die Schlucht. Immer wieder müssen wir das Ufer wechseln. Überhaupt müssen wir aufpassen, dass wir nicht auf dem schlammigen Weg ausrutschen. Die 2-stündige Wanderung durch die Schlucht hat sich jedoch gelohnt und wir kommen ohne Stürze beim hinteren Wasserfall an. Dort kann man mit Hilfe einer Schleuse selber das Wasser über den Hang hinunterstürzen lassen.
Am Abend übernachten wir auf dem Campingplatz am Breitenauer See in Löwenstein. Wir finden die Duschanlagen zwar super toll und die Campinganlage ist sauber und schön gestaltet. Obwohl der Platz sehr grosszügig angelegt ist, werden die «One-Nighter» eng nebeneinander angesiedelt. Schade. Wir beschliessen, wirklich nur eine Nacht zu bleiben.

Burg Stettenfels muss warten
Nikan parkieren wir in der Nähe der Burg in Untergruppenbach und wollen den Erlebnispfad begehen. Der Weg führt über abwechslungsreiche Wege und schmale Pfade durch schöne Waldgebiete. Kurz nachdem wir eine Horde Kinder gekreuzt haben, macht Juna einen Misstritt und humpelt ziemlich stark. Zuerst denken wir, dass das wieder von selber verschwindet, aber als sie dann bei jedem Stopp hinlegt, beschliessen wir, dass ich mit Juna auf einer Bank warte und Tom unseren vierrädrigen Freund holt. Da wir sowieso am Freitag wegen einer Besprechung von Tom in die Schweiz zurückmüssen, beschliessen wir, bereits heute nach Hause zu fahren. Burg Stettenfels werden wir zu einem anderen Zeitpunkt einen Besuch abstatten.

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